März 2007


In der Diskussion der letzten Tage wird die Folter in Guantanamo und in Abu Graib immer als gegeben vorausgesetzt. Aber erinnern wir uns bitte zurück, welche Methoden hier zur Folter eingesetzt wurden. Zum Beispiel ein Verhör durch eine Frau. Oder das ein Koran das Klo runtergespült wurde oder natürlich der Schlafentzug und die DROHUNG mit körperlicher Folter.

Tatsächlich ist in diesen Gefängnissen meines Wissens kein einziger Fall von Folter, wie sie unter Saddam Hussein im Irak üblich gewesen sein mag, also das Brechen von Knochen, Blenden oder Tötung von Familienmitgliedern vorgefallen.

Daher glaube ich, daß es sich um Strategie der islamistischen Kämpfer handelt, wenn in jedem einzelnen Fall keinerlei körperliche Versehrtheit festgestellt werden kann, aber immer von Folter gesprochen wird. Kann es nicht sein, daß dieser Vorwurf genauso konzertiert vorgebracht wird, wie der green helmet man green helmet man auch immer in der Nähe von Zivilopfern im Nahen Osten auftaucht?

Diese Vorwüfre hätten einerseits natürlich den Vorteil, daß man einen weiteren Keil zwischen die USA und den übrigen Westen treibt und man sich so leichteres Spiel erhofft. Dies scheint eingetreten zu sein und zu funktionieren. Besonders wenn man sich die Vorwürfe der letzten Tage in den Medien anhört, wo ein Geständnis komplett ignoriert wird, weil die USA einen Terrorboss vor ein Militärgericht gestellt haben und den Medien kein Spektakel vor einem Zivilgericht geboten haben.

Andererseits wird damit der Begriff der Folter ein bisschen aufgeweicht. Dann hört es sich irgendwie nach Selbstverteidigung an, wenn wieder mal die Kinder einer israelischen Familie erschlagen werden während die Eltern zusehen.

Und zuletzt wird das gesamte westliche Wertesystem in Frage gestellt. Weil man davon ausgehen kann, daß ein Land in dem systematisch gefoltert wird, auch noch viel schlimmere Dinge passieren. Diese Vermutungen liesst und hört man laufend in diversen Foren.

Hier ist kein Wort mehr davon, daß das Rote Kreuz in Guantanamo Besuchsrecht hat. Das es dort ärztliche Versorgung gibt und daß jeder einzelne Fall von Gewalt gegen Gefangene mit strafrechtlichen Konsequenzen für die Wärter endet.

Im Gegenteil wird dann Phantasiert, daß in Wahrheit die USA noch mehr foltern, als es selbst die Gefangenen zugeben, trotzdem diese eindeutig ein Interesse daran haben, so viel oder mehr zu behaupten als sich zugetragen hat.

Ich bin gegen Folter. Aber was diesen Gefangenen angetan wird klingt mir nach Kinkerlitzchen im Gegensatz zu dem was den Soldaten „unserer“ Seite angetan wird, wenn sie im nahen Osten in Kriegsgefangenschaft geraten.

Die Strategie geht auf und wir sehen, wie das römische „Teile und herrsche“ im Medienzeitalter aussieht.

Philipp Heimberger hat mich auf zurPolitik auf folgenden SPON Artikel hier aufmerksam gemacht. Warum ich die Behauptungen von Prof. Straubhaar für absolut falsch halte, stelle ich hier da. Zitate sind aus dem Artikel.

„Bei beidem, dem Umweltschutz und der Vermögensbildung müssen sich heutige Generationen in ihrem gegenwärtigen Konsum zurückhalten, Maß halten, sparen und zugunsten kommender Generationen auf etwas verzichten. Bei beidem können nicht heutige Generationen die Früchte des Konsumverzichts ernten, sondern erst die Kindeskinder.“

Das ist prinzipiell richtig, ausser natürlich bei Vermögen, die so groß sind das sie längst nicht mehr konsumierbar sind. Bei einem Vermögen von mehreren 100 Mio Euro reicht der Zinsendienst problemlos aus, um auf unbeschränkte Zeit praktisch beliebig verbrauchen zu können, ohne etwas zur Gesellschaft beizutragen. Schon ein Vermögen von 2 Mio Euro reicht aus, um bei sicherster Anlage nur an Zinsendienst mehr zu erhalten als das österreichische Durchschnittsgehalt.

Wo Prof. Straubhaar hier den Konsumverzicht zu Gunsten zukünftiger Generationen erkennen kann, ist mir nicht klar. Bei kleineren Vermögen fällt ja auch heute schon kaum Erbschaftssteuer an.

Wenn die Vermögenssteuern schon so sind, daß es möglich ist von Ererbtem gut zu leben ohne das Kapital aufzubrauchen, dann muß die Gesellschaft sich doch zumindest das Recht einbehalten hier nach dem Ableben des Erblasserseinzugreifen.

„Wer ist bereit, heute auf Konsum zu verzichten, damit die Generationen von morgen bessere Startchancen haben werden? Paradox: Wer spart, Vermögen aufbaut, um es den Kindeskindern zu vererben, macht exakt das, was alle Nachhaltigkeitspropheten verlangen: Sie konsumieren nicht, sie sparen und sorgen so dafür, dass Saatgut für kommende Generationen bereit steht.“

Darum geht es nicht. Es geht darum, daß die Wahrung von Besitzstand nicht nur auf die kommende Generation fortgeschrieben wird. Prof. Straubhaar ist Ökonom. In der Makroökonomie gibt es ein Phänomen mit der Sparquote, daß ihm bekannt sein müsste. Dieses Phänomen geht folgendermassen: Eine Bevölkerung schafft jährlich ein Vermögen von 100. Um gegen schlechte Zeiten gewappnet zu sein, spart der Durchschnitt der Bevölkerung 10% ein. Da der Verbrauch sich um diese 10% reduziert, müssen Arbeitnehmer gekündigt werden, welche noch viel weniger auszugeben haben. In kurzer Zeit reduziert sich der Wirtschaftsoutput dieser Nation auf 90. Nachdem es den Leuten schlechter geht, sparen sie noch verbissener, um sich einen Notgroschen zu erhalten und vernichten noch mehr Wirtschaftsleistung. Dies geht exakt bis zu jenem Punkt, an dem die Bevölkerung im Durchschnitt nur mehr so viel hat, daß sie nichts mehr sparen können. (Frei nach Blanchard/Makroökonomie)

Dies dann nachhaltiges Wirtschaften zu nennen, halte ich für verwegen von Prof. Straubhaar.

„Vererbung ist nichts anderes als die Übertragung von Eigentumsrechten von einer Generation zur nächsten. So ist eine dauerhaft sorgsame Verwendung der so knappen Ressourcen sichergestellt.“

Das Problem, das Prof. Straubhaar nicht sehen will ist beim Zinseszinssystem angesiedelt. Wenn zunehmend Kapital zur Verfügung steht (weil über Generationen ererbt) das verzinst werden will/muss, dann erdrückt der Zinsendienst dann bald den besitzlosen Rest der Bevölkerung. Nachdem gerade Immobilien sich besonders gut zum Vererben eignen, sind steigende Zinsen ein guter Indikator dafür.

Wenn nun ein Erbe ein fauler Kerl ist, dann lässt er es sich gut gehen, gibt Geld aus, das nur durch Kapitalerträge entstanden ist und braucht auch bei ausschweifendem Lebensstil die Reserven nicht anzugreifen (Paris Hilton Phänomen?). Wenn der Erbe ein guter Geschäftsmann ist, der das Kapital wirklich einsetzt und damit arbeitet, vermehrt er das Vermögen rasant und konsolidiert das Problem.

Die einzigen, die in dieser Rechnung bald nicht mehr genug Mittel zum verschwenderischen Ressourceneinsatz haben, sind nach Blanchard jene, die durch Arbeit ihren Lebensunterhalt bestreiten anstatt mit Vermögen.

Der Zinseszins ein Problem für lange Zeiträume. Schon 3% Verzinsung über der Inflationsrate addieren sich über 100 Jahre auf das 19-fache. Aus diesem Grund gab es zu alttestamentarischen Zeiten auch den Begriff des Jubeljahres. Alle 7 Jahre wurden Schulden erlassen und alle 50 Jahre wurde aller Grundbesitz enteignet und neu verteilt. Wenn jemand seinen Boden nicht gut genug nutzte, war er nach 2 Generationen weg. In der Neuzeit wurden bei diversen Revolten dann nicht nur Köpfe abgehackt sondern auch Vermögen enteignet. Jene Adelshäuser, die sich diesem Trend entzogen haben, sind heute gut genug mit „altem“ Geld ausgestattet, um ihren Nachfolgern Erwerbsarbeit noch immer zu ersparen.

Nur die letzten 100 Jahre hatten keinerlei Regulativ gegen den Zinseszins. Der Dow Jones index stand 1896 bei 28 und 2007 bei 12700 was einer Wertsteigerung von 45000% (abzüglich Inflation) gleichkommt.

Egal was passiert, die Reichen werden reicher und die Besitzlosen haben es schwerer und schwerer ihr Auslangen zu finden weil die fleissigen Reichen ja die Sparquote ansteigen lassen. Glücklicherweise gibt es ja keine Anzeichen zu so einer Entwicklung bei uns :-) .

„Wer eine nachhaltige Politik will, muss den Konsum und nicht Erbschaften besteuern. So wird die Gegenwart verteuert, der Verzehr gedämpft und die Vermögensbildung attraktiver. Die Einnahmen aus der Konsumsteuer sind eine wesentlich bessere Grundlage, um wirtschaftlich Schwache finanziell unterstützen zu können als eine Erbschaftssteuer. Und eine Konsumsteuer hat zudem den Vorteil, dass sie „gerecht“ ist und jene, die viel erben und möglicherweise als Folge davon viel ausgeben stärker zu belasten, als jene, die nichts erben und deshalb weniger Kaufkraft haben.“

Die Auswirkung von gedämpften Verzehr habe ich schon vorher beschrieben. Was ist die Auswirkung einer höheren Konsumsteuer? Erstens eine lineare Besteuerung mit wenigen Ausnahmen. Nachdem es Dinge wie Mengenrabatte gibt, kauft jemand mit hohem Ressourcenverbrauch eher günstiger ein und spart damit dann noch Steuern. Endlich hätten wir die Situation, daß der Mindestrentner einen höheren Steuersatz zahlt, als z.B. Minister Bartenstein. Zweitens macht man damit den Konsum im Ausland ungleich Attraktiver. Wenn alle bisherigen Steuern in einer hohen MWSt zusammengefasst würden, wäre das bei der momentanen Steuerquote eine MWSt von ca 48%. Davon sind aber glücklicherweise nur jene Betroffen, die in der Mitte des Landes leben, weil die nicht so oft im benachbarten Ausland einkaufen können. Die Reichen haben dann einen zusätzlichen Grund ins sonnige Spanien auszuwandern und dort ihr bei uns steuerschonend arbeitende Kapital zu schonen.

„Der kalte Staat wird den Menschen die Wärme und Geborgenheit der Nächstenliebe nicht ersetzen können.“

Wunderschön. Die Nächstenliebe wird hier für die Liebe zum eigenen Nachkommen umdefiniert. Von der Wärme und Geborgenheit, die mit dem Scheckbuch gegeben wird, mal ganz abgesehen.

Eine Person, die diese Problematik offensichtlich ähnlich wie ich sieht, ist interessanterweise der bekannte Marxist Bill Gates. Der reichste Mann der Welt hat sich selbst früh pensioniert und verbringt nun seine Zeit damit, sein Geld über die Bill and Melinda Gates Stiftung wieder dem Volk zuzuführen. Er stellt sein Vermögen von 600.000 Mio fast komplett für wohltätige Zwecke zur Verfügung.

Der Rest reicht immer noch für eine der teuersten Villen der Welt und für ein sorgenfreies Leben ohne Arbeit für seine Kinder und das sei ihnen auch gegönnt. Aber seine Kinder hätten nie die Chance gehabt, auch nur annähernd an dem Kapital zu kratzen. Der Zinsdienst hätte in jedem fall mehr ausgemacht, als sie jemals ausgeben könnten und daher hat Bill hier die Initiative ergriffen.

Angeblich gibt es in Österreich heute schon 60.000 Millionäre, fast ein Prozent der Gesamtbevölkerung. Viele davon haben natürlich viel mehr. Wenn diese Werte also gar nicht mehr an die Allgemeinheit zurückfallen können, wird diese Zahl in Zunkunft immer weitersteigen – auch ohne den postulierten frugalen Lebensstil. Die Vermögen werden bestehen bleiben und eher anwachsen und mehr und mehr Ressourcen von der arbeitenden Bevölkerung abziehen.

Aber wenn die Revolution und die anschliessende Neuverteilung dann kommt, ist das wahrscheinlich nicht mehr das Problem der jetztigen Generation von Erben.=

Immer wieder fällt mir ein Fehler in der Argumentation der armen kleinen Muslime im nahen und mittleren Osten auf.

Dieser Fehler klingt ungefähr so: „Die USA und Israel sind militärisch so weit überlegen, daß sie die Afghanen und die Palestinenser problemlos ausrotten könnten. Weiters führen sie den totalen Krieg, was sich durch regelmäßige Massaker in Kinderheimen und Spitälern äussert.“

In Wahrheit zeigt der Verlauf der Konflikte wie in Palästina, Afghanistan oder auch im Irak auf eine extrem starke Zurückhaltung der nicht christlichen und jüdischen Kräfte an diesen Orten.

Oder anders gesagt, wenn die bösen Israelis die Macht haben, alle Krankenhäuser und Schulen in Palästina zerstören zu könnten, dies aber nicht tun, bedeutet dies, daß das offensichtlich nicht das Ziel ihrer Kriegsführung ist.

Wenn die Amerikaner annähernd so skrupellos wie Saddam wären, würden einige der Krisenherde im Irak heute nur mehr Glasflächen sein dort keine GIs ihr Leben verlieren.

Im Gegensatz dazu weist die Opferung der eigenen Jugend bei Selbstmordanschlägen auf einen totalen Krieg mit Schadensmaximierung durch die entsprechenden islamistischen Gruppierungen hin.

Sowohl die USA als auch Israel geben viel Geld für „smart“ weapons aus, um den immer sofort gerufenen Medien nicht mehr Bilder von Kollateralschäden als unbedingt nötig zu liefern.

Daher kann ich der islamistischen Propaganda in diesen Konflikten gar keine Relevanz abgewinnen. Viele Leute ziehen aber bei sich widersprechenden Behauptungen den Schluss, daß die Wahrheit in der Mitte angesiedelt wäre. Diese Fehleinschätzung ist klares Kalkül und Teil der Kriegsführung durch die „Widerstandskämpfer“.

Eine schöne Seite um meine Behauptungen hier zu stützen ist unter http://eureferendum.blogspot.com/2006/07/who-is-this-man.html zu finden.

Und hier ist der Hund begraben. Weil niemand solch offensichtliche Punkte durchdenkt, kommt es zu dem weit verbreiteten und beliebten Antiamerikanismus und Antisemitismus.

Wie auch in der Diskussion mit Ludwig P auf zurpolitik schön zu beobachten war, verwenden die Regierungsparteien von 1999-2006 noch immer gerne die gleichen Tricks wie zu Zeiten dieser unsäglichen Koalition. Da wird so lange etwas behauptet, bis man das ohne zu Reflektieren akzeptiert.

Hat die SPÖ vor der Wahl zu viel versprochen? Definitiv.
Wie ist das mit dem Brechen dieser Versprechen allerdings gekommen?

Studiengebühren
Mir tun die Studiengebühren doppelt weh. Ich kann selbst mein Doktorat nicht berufsbegleitend fortsetzen weil ich sie mir nicht 2x leisten kann und will und ich sie für meine Frau sowieso zahlen muss.
Aber welche Positionen hätte die SPÖ für den Preis der Abschaffung zahlen müssen? Wieweit hätte die ÖVP die SPÖ da noch erniedrigt? Ich stelle jedenfalls nicht in Frage, auf welcher Seite in dieser Frage die Verhandler der einzelnen Parteien standen.

Eurofighter
Vor der Wahl lag der Vertrag offensichtlich nicht in der seit aktuellen Fassung vor. Hier hat die ÖVP alles daran gesetzt, zukünftige Regierungen an diesen Vertrag zu binden. Das hier noch weitergearbeitet wird, um diesen Vertrag als sittenwidrig zustandegekommen zu entlarven finde ich höchst löblich.

Das Versprechen, mit dem die SPÖ tatsächlich ihre Wähler vor den Kopf gestossen hat ist wohl die Ankündigung mit Eurofighter und Studiengebühren nicht in die Regierung einzutreten. Hier hatten sie nach der Wahl die Wahl zwischen Pest und Cholera. Entweder brechen sie dieses Versprechen, nutzen ihren Wählerauftrag und versuchen Österreich wieder einen Tick sozialer zu machen. Oder sie warten auf Schwarz-Blau-Orange. Oder sie machen die Minderheitsregierung zu der die Grünen einen sofortigen Misstrauensantrag angekündigt haben.

Welche dieser Möglichenkeiten hättet ihr bevorzugt?

Wie sehr habe ich mich auf eine Rot-Grüne Regierung gefreut. Wie super wäre es gewesen, wenn die Grünen den Roten ein ebenso großartiges Verhandlungsergebnis wie sie Schwarzen rausgerissen hätten?

Aber leider wurde dies durch die real existierende rechte (vulgo: bürgerliche) Mehrheit in Österreich und durch das gekonnte Negieren des Wahlausganges der ÖVP verhindert.

Ich kann die Schuld der SPÖ einfach nicht sehen, aber das mit den gebrochenen Wahlversprechen wurde inzwischen fast so oft wiederholt wie das Nulldefizit und ist damit in den Köpfen wahr geworden.

Ich glaube immer noch, daß die SPÖ versucht den verfahrenen Karren aus dem Dreck zu ziehen und es zeugt viel besser als PISA von der Intelligenz der Österreicher, daß dies überhaupt nicht anerkannt wird nur wegen dieser Schlagwortpolitik.

Als Wirtschaftswissenschaftler ist es mir immer wieder sauer aufgestossen, wenn vor einiger Zeit immer wieder die ÖBB thematisiert wurde ohne wirkliche Lösungsvorschläge zu präsentieren.

Die einzigen Vorschläge damals gingen darauf hin, möglichst viel Personal abzubauen und die Preise zu erhöhen – also genau die Strategie, die schon beim Konsum so gut funktioniert hat. Ob sich die Politiker nun Rechts oder Links nannten, darüber hinaus wurde nichts versucht oder auch nur angesprochen.

Die Auswirkungen dieser Politik wurden hingegen ausreichend diskutiert. Hohe Kosten im Bundesbudget. Viele zusätzliche Frühpensionisten und Arbeitslose bei gleichzeitig schlechter werdendem Schienennetz und Preise, zu den man sich als 3-4 köpfige Familie schon mal ein Mietauto leisten kann statt im Zug zu fahren.

Ich versuche hier mal eine andere Möglichkeit herauszuarbeiten, um diesem Problem, und möglicherweise noch weiteren, Herr zu werden und würde mich über Kritik und Diskussion oder idealerweise Weiterverbreitung der Idee sehr freuen.

Als wissenschaftliche Basis für meine Vergleiche verwende ich das anerkannte Konzept der Dairy Girl Calculation (DGC), als numerische Basis jeweils die publizierten Zahlen der OEBB Bilanz 2004.

Was sind die Wurzeln und Aufgaben der ÖBB?
Die Eisenbahnsysteme wurden in den meisten Ländern in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgebaut. In manchen Ländern (USA) erfolgte dies von Anfang an durch Private Geldgeber was zur Entwicklung der AG viel beigetragen hat. Hier in Europa wurden diese Netze zumeist durch die öffentliche Hand im Namen der jeweiligen Feudalherren finanziert. Beim Übergang in modernere politische Systeme gingen diese dann in Staatsbesitz über. So gesehen gehört ein Stück der ÖBB jedem von uns. Der Wert der ÖBB ist rund 17,5 Mrd Euro, das ist also ein Anteil von über 2000 Euro der jedem von uns gehört und den man nicht wegwerfen will. Andererseits zahlen wir rund 3 Milliarden / Jahr ein, um das System am Laufen zu halten und die meisten von uns verwenden sie gar nicht, weil sie unbequem und teuer sind.

Weiters ist die Bahn das definitiv umweltschonendste und sicherste Fernverkehrsmittel wenn die Trassen schon mal daliegen und die Zugführer nicht betrunken sind. Der Energieeinsatz ist im Gegensatz zum Auto und Flugzeug vernachlässigbar und zusätzlich durch im Inland herstellbaren Ökostrom machbar.

Der gegangene Weg
In der Bahn wird rationalisiert was geht. Strecken werden eingespart, die Preise werden hochgesetzt, Personal wird in den Vorruhestand geschickt. Die ersten 2 Punkte machen also das Bahnfahren weniger attraktiv während der 3. Punkt die Volkswirtschaftlichen Kosten erhöht. Tolle Lösung, weil wenn daraufhin weniger Leute mit der Bahn fahren, können wir das gleiche Rezept im nächsten Jahr wieder anwenden.

Ein neuer Weg
Österreich ist ein Land des Tourismus, aber auch der Pendler. Lasst uns mal überlegen was passiert, wenn die 2. Klasse des Personentransportes durch die ÖBB GRATIS wäre. Ganz Gratis ist er ja trotzdem nicht, weil wir ja ohnehin bereits 400 Euro im Jahr einzahlen (oder jeder Steuerzahler das Doppelte – wie man es auch sehen will). Neben den bestehenden Zuzahlungen aus dem Steuertopf von 3000 Mio Euro sind die Erträge des Personenverkehrs von 560 Mio ja nicht so wichtig.
Schritt 1 -> die bestehenden Züge sind voll.
Ich danke davon kann man ausgehen, daß die Züge dann ganz klar das attraktivste Verkehrsmittel würden. Ich glaube nicht, daß wir indische Verhältnisse bekämen, weil die Leute ja trotzdem mit dem Auto fahren können, wenn es zu unangenehm würde. Daher würde sich zwischen Zügen und Autostraßen eine Balance einpendeln, die der Identität des Autos als Luxusgut weit mehr entspräche als die Situation heute.
+Urlaub in Österreich würde weit attraktiver
+die Strassen entlastet
+die Umwelt geschont
-die Züge überfüllt was uns zu Punkt 2 bringt

Schritt 2 -> mehr Züge einsetzen
Österreich hat mit SGP eine hervorragende Eisenbahnschmiede. Es würde großen Bedarf an mehr und moderneren Zügen geben. Nebenstrecken würden wieder „rentabel“ – sprich benutzt. Alles ÖBB Personal das im Moment mit der Einhebung von Tarifen zu tun hat müsste zum Betrieb umgeschult werden und trotzdem hätte man massiven Personalmangel. Nun würde hier ja wohl definitiv Gemeinnutzen geschaffen, wenn Leute anstatt aus den Arbeitslosentöpfen nun von den ÖBB Töpfen bezahlt würden. Weiters würde die gesamte Administration und auch die Summen der Pendlerpauschalen (230 Mio) und Schülerfreifahrten für die Finanzierung der boomenden ÖBB freiwerden.
+Aufträge für österreichische Industrie
+Entlastung des Arbeitsmarktes
+Zugewinn an Mobilität
-Höhere Steuerlasten

Schritt 3 -> Langfristig denken
Ein Boom der ÖBB macht Zwangsweise den Individualverkehr weniger attraktiv. Die Leute würden weniger (im Ausland gebaute) Autos kaufen. Weniger (im Ausland gefundenes) Benzin verfahren und müssten weniger besoffen Autofahren.
Daher würde unsere Handelsbilanz sich massiv Verbessern und sich die Abhängigkeit von fossilen Treibstoffen massiv reduzieren. Benzin und Autos könnten klar als Luxusgüter definiert und massiv verteuert werden.

Dafür wäre der tägliche Verkehrsstau auch eine Sache der Geschichte und das Autofahren hätte wieder was von Genuss und Freude. Die Arbeitslosen im Fahrzeughandel würden dann durch den zusätzlichen Konsum in anderen Sparten wieder unterkommen. Die Leute würden ja trotzdem ihr Geld ausgeben, das sie dann nicht mehr in Mobilität investieren und fast jede Sparte hat einen höheren Anteil an österreichischer Produktion als die Automobilindustrie.
+Ökobilanz
+Import/Exportbilanz
+Mobilität für Alle
-weniger Mineralölsteuern?

Eine wirklich interessante offene Frage ist folgende: Wieviel kostet und wieviel bringt das langfristig? Meiner Einschätzung nach würde das sicherlich mehr kosten als was wir bisher Zahlen (400 Euro) aber nicht unbeschränkt viel, weil wir dann trotzdem nicht den ganzen Tag Bahn fahren würden nur weils gratis ist. Manche von uns würden trotzdem in ihren Jobs, Vorlesungen oder vor ihren Playstations sitzen.

Langfristig würde es weniger Arbeitslose und Pensionisten geben und die Wertschöpfung im Land würde steigen. Die zusätzliche Mobilität würde den Tourismus ankurbeln und Zersiedelung fördern. Insgesamt sehe ich die zusätzlichen Kosten als gut ausgegebenes Geld, weil diese Massnahme die Lebensqualität (=Wohlstand) in Österreich deutlich heben würde. Mir ist klar, daß es sich hier um stark vereinfachtes Aufrechnen von Beträgen handelt, weshalb ich ja am Anfang schon auf die zugrundeliegende DGC verwiesen habe.

Liberal?
Unmittelbar wirken diese Ideen sozialistisch bis kommunistisch – dessen bin ich mir wohl bewusst. Allerdings würden staatliche Strukturen schlanker durch die Einsparung an Verwaltung von Pendlerpauschalen, Steuerausgleichen und ähnlichem. Damit gäbe es mehr Leute, die etwas Sinnvolles machen können (wie Fussball spielen).

Jedenfalls würde diese Maßnahme allerdings den starken wirtschaftlichen Druck von der Bevölkerung nehmen, sich ein Auto leisten zu müssen weil sie sonst nicht zur Arbeit kämen. Daher käme es zu einem freien Spiel der Kräfte bei der Entscheidung zwischen Auto und Bahn – und es wäre ein echter Schritt in die Richtung der urliberalen Forderung nach einem Volkseinkommen.

Ich finde selbst jedenfalls kein Loch in meiner Argumentation und vielleicht liest diesen Artikel ja wirklich einmal jemand an einer entscheidenden Stelle, der dann eine Studie zur wirklichen Abschätzung der angesprochenen Kosten in Auftrag geben könnte. Das diese Option nicht einmal diskutiert wird, finde ich jedenfalls extrem schade.

 Ich sehe mich selbst als Freigeist.

 Ich lasse mir nicht gerne vorschreiben, was ich denken soll.

 Ich versuche hier einige Gedanken zu sammeln, die der gängigen Meinung widersprechen und diesen Gedanken mehr persistenz zu geben, als in diversen Diskussionsforen.

 Hie und da möchte ich auch Kritiken zu Filmen und Fernsehserien abgeben und damit meine eigene Einschätzung der Dinge im Jahr 2007 archivieren.

 Ich freue mich über Kritik an meinen Posts und bin gerne bereit über die einzelnen Punkte zu diskutieren.

Ich bin eher dem linken Spektrum der Politik verwandt als dem rechten. Ich bin Österreicher und anglophil. Ich bin praktizierender Atheist, der Religion als eines der großen Übel der Menschheit betrachtet. Ich liebe Football, Hollywood Kino, Brettspiele, Star Wars und meinen Sohn.